Vicino-Antenne für unkomplizierte Vermittlung

«Ich brauche Ihre Hilfe!» Mit diesen Worten kam kürzlich ein älterer Mann im Bleichergärtli auf mich zu. «Was kann ich für Sie tun?» «Ich möchte eine Notrufknopf, können Sie mir da weiterhelfen?» «Ja, natürlich» erwiderte ich. Also besuchte ich ihn einige Tage darauf und er erzählte mir, dass er den Prospekt vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) schon einige Monate zu Hause hat. Angerufen hat er bis dato nicht. Er war sich nicht ganz sicher, ob er einen solchen Knopf wirklich möchte und wusste nicht genau, wie ein solcher funktioniert. Ich sagte ihm, dass sich das SRK mit seinem Dienstleistungsangebot auch bei Vicino engagiere und ich die MitarbeiterInnen kenne. Ich wies ihn auf die Hausbesuche des SRK hin, wo sie die Hilfsmittel vor Ort zeigen und auch erklären, wie der Notruf funktioniert.

Mit seinem Einverständnis gab ich seine Telefonnummer meiner Kontaktperson beim SRK weiter. Diese meldete sich dann direkt bei ihm. Eine Woche später erzählte mir der Mann, als ich ihn zufällig antraf, dass er nun im Besitz eines Notruf-Knopfes sei. «Ich habe den gewählt, der nur zu Hause funktioniert. Wenn ich einkaufen gehe und stürzen sollte, dann stellt mich ja schon jemand auf», meinte er lachend.

Dieses Beispiel zeigt auf, wie hoch die Schwelle manchmal sein kann, einen Anruf zu tätigen und Unterstützung für sich selbst zu organisieren. Dies erzählte mir kürzlich auch eine Frau aus dem Quartier. Sie wollte sich selbst bei der Pro Senectute für eine Budgetberatung melden. Als ich bei ihr nachfragte, ob es geklappt hat, hat sie mir gesagt, dass sie noch nicht angerufen habe. Ich nahm die Gelegenheit in diesem Moment wahr, ihr die Kontaktnahme mit der Pro Senectute über Vicino vorzuschlagen. Sie fand die Idee gut und meinte: «Du glaubst gar nicht, wie schwierig es für mich war, dieses Telefon zu machen. Ich fand immer wieder einen Grund noch ein bisschen damit zu warten.»

Verständlich, solche Situationen kennen wir alle. Deshalb bleibe ich im Alltag in Kontakt mit den QuartierbewohnerInnen. Ich halte einen Schwatz auf der Strasse oder frage während des Kaffeenachmittags im Pavillon nach, wie es geht und nehme so die Signale für weiteren Unterstützungsbedarf wahr. Damit sinkt die Schwelle für den ersten Schritt, geeignete Angebote in Anspruch zu nehmen und sich helfen zu lassen.

Nebst den informellen Gesprächssituationen, die ich im Alltag nutze, gibt es auch die Möglichkeit für ein Gespräch im Pavillon im Bleichergärtli (jeden Montag-, Dienstag- und Freitagmorgen zwischen 09.00 – 11.30 Uhr) oder für einen Hausbesuch.
Durch diese unterschiedlichen Zugänge erreichen wir verschiedenste QuartierbewohnerInnen und können sie in ihrem Wunsch «so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben» individuell unterstützen.

Text & Bild: Corinne Küng, Standortleiterin Neustadt

2018-11-08T09:08:27+00:00Oktober 18th, 2018|
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