Wie mit dem Enkel über WhatsApp in Verbindung bleiben? Wie Fotos auf den PC verschieben? Oder ein SBB-Ticket mit dem Smartphone buchen? Im Digitreff von Vicino Luzern können ältere Frauen und Männer sich kundig machen.

Von Beat Bühlmann (Text) und René Fuhrimann (Bild)

Ruth Hänni-Eisenhut ist so etwas wie eine Stammkundin des Digitreff. Heute will die 68-jährige Rentnerin wissen, wie sie ihre Kontakte vom Laptop auf das Smartphone verschieben kann. An ihrer Seite sitzt Romy Mathys und erklärt ihr am praktischen Beispiel, wie das zu handhaben ist. Romy Mathys leitet den Digitreff im Pavillon von Vicino Luzern im Bleichergärtli (Neustadtquartier). In den ersten neun Monaten in diesem Jahr fanden am Mittwochvormittag, jeweils von 9 bis 11.30 Uhr, 39 Digitreffs statt, die über 200 Mal genutzt wurden. Die meisten Nutzerinnen und Nutzer sind zwischen 65 und 85 Jahre alt.

Ein digitales Selbstvertrauen aufbauen

Ruth Hänni fand sich zum ersten Mal im Digitreff ein, als sie von ihrer Tochter ein neues Smartphone geschenkt bekam. „Da stellten sich mir wieder neue Fragen“, sagt sie. Und so ging sie mit ihrem Smartphone regelmässig in den Digitreff, um sich in der digitalen Welt besser orientieren zu können. Wie kann ich eine WhatsApp-Gruppe einrichten? Wie eine Theaterkarte oder ein SBB-Ticket lösen? Wie mit Google Map umgehen oder eine gmail-Adresse installieren? Doch ebenso wichtig ist, sich hier mit anderen zu treffen. Mit einem Ohr höre sie jeweils den anderen Ratsuchenden zu, die wie sie im Digitreff ihre Fragen stellten. „So kann ich immer wieder neue Sachen lernen“, sagt Ruth Hänni.

Der Pavillon im Bleichergärtli ist gemütlich eingerichtet. Im Hintergrund prasselt ein Holzfeuer, die Kaffeemaschine ist eingeschaltet. Auf dem Tisch liegt ein illustriertes Heft mit „Handy Tricks“ und ein digitaler Ratgeber für Einsteiger und Senioren. „Mit unserem Angebot wollen wir älteren Personen helfen, die digitale Schwelle zu überspringen“, sagt Romy Mathys. Sie ist Soziokulturelle Animatorin und leitet den Digitreff seit dem Start im Februar 2017. Ältere Personen seien oft auf Unterstützung angewiesen, wenn es um den Umgang mit digitalen Geräten gehe. Wie merke ich mir die Passwörter? Was tun, wenn die Mails „verschwunden“ sind? Viele Begriffe aus dieser neuen Welt – Megabyte, Cloud, Chat, Cookie, FAQ, Browser, Download! – seien ihnen nicht so geläufig. „Wir können dieses digitale Grundwissen auf eine einfache Art vermitteln und so mit ihnen zusammen ein digitales Selbstvertrauen aufbauen.“ Das Angebot wird im übrigen nicht nur von Rentnerinnen und Rentnern, sondern zu einem knappen Drittel auch von jüngeren Personen genützt.

Freiwillige Helfer gesucht

 Unterstützt wird Romy Mathys an diesem Vormittag von Timo Reppas (22). Er arbeitet zu einem Teil als Fachangestellter Gesundheit in einem Zürcher Alters- und Gesundheitszentrum und zum anderen als Praktikant am iHomeLab der Hochschule Technik & Architektur in Horw. Er ist ein Vertreter der Digital Natives, die mit Handys und den sozialen Medien gross geworden sind, aber er weiss auch, mit älteren Personen umzugehen. „Ich arbeite gerne mit älteren Leuten zusammen und freue mich mit ihnen, wenn wir ein Problem gelöst haben.“ Doch nicht alle Geräte kann man einfach so unter den Arm nehmen und in den Digitreff bringen. So gibt es immer wieder Anfragen von älteren Personen aus dem Quartier, welche zu Hause mit ihrem Desktop-PC oder mit ihrem neuesten Fernsehmodell ihre liebe Not haben. Um diese Lücke zu schliessen, bieten seit zwei junge Informatiker aus der Nachbarschaft Hausbesuche für eine kleine Entschädigung an. Gesucht werden zudem weitere digitale Helferinnen und Helfer mit digitalen Kompetenzen, die Romy Mathys im Digitreff als Freiwillige unterstützen. Wer sich dafür interessiert, kann sich über digitreff.luzern@gmail.com melden.

Der Digitreff ist ein niederschwelliger Ansatz, um die ältere Bevölkerung mit der digitalen Welt vertraut zu machen. Für René Fuhrimann, Geschäftsleiter von Vicino Luzern, steht ausser Frage, dass neue Technologien wie das „Active Assisted Living“, die alltagstaugliche Assistenzlösung für ein selbstbestimmtes Leben, in Zukunft einen wesentlichen Beitrag für ein autonomes Leben im Quartier und für die vernetzte Nachbarschaftshilfe leisten können. „Sie werden das alltägliche Leben älterer Menschen situationsunabhängig und unaufdringlich unterstützten“, ist er überzeugt. Diese Technologien müssten jedoch auf den Menschen ausgerichtet sein und sich in dessen Lebensumfeld integrieren lassen. Die Technik, so René Fuhrimann, „hat sich somit an die Bedürfnisse des Nutzers anzupassen – und nicht umgekehrt.“ – Dieser Artikel erschien zuerst auf www.luzern60plus.ch

2018-11-08T10:04:00+00:00November 8th, 2018|
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